Ägypten

Ägypten 1114 ~ 1781 v. Chr. - mittleres Reich

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Aufgrund des ägyptischen Unsterblicheskeitsglaubens entstand ein Totenkult mit vielen Nekropolen, die bis ins dritte vorchristliche Jahrtausend also bis ins "Alte Reich" zurückreichen. Als bleibendes Eigentum des Verstorbenen (es konnte auch ein gewöhnlicher Beamter sein) wurde die Kopfstütze mitbestattet. Das extrem trockene (Wüsten) Klima sorgte dafür, dass der Gegenstand die Jahrtausende überstand. Sehr gut erhalten sind die Beigaben im Grab des Tutanchamun, in dem 8 Kopfstützen auf uns gekommen sind. Die auffälligste ist eine zusammenklappbare Kopfstütze aus gefärbtem Elfenbein, die wohl auf Reisen benutzt wurde. Ebenso ungewöhnlich ist eine Stütze aus lilablauen Glas, die aus zwei Teilen besteht, die durch ein goldenes Band zusammengehalten werden. Eine figürlich geschmückte Alabasterstütze ist wohl auch ein Unikat, bei dem die Gottheit "Schu" den Schaft bildet, der die zierliche mondförmige Liegefläche trägt, so dass der Kopf des Schläfers aus der erdnahen Horizontalen dem Himmel zu angehoben wird. "Schu" bedeutet: "der sich erhebt". Es ist der Gott der Luft und des Raums zwischen Himmel und Erde. Die klassische, nicht seltene, hölzerne ägyptische Kopfstütze folgt durchgehend einem "kanonischen Formprinzip". Die relativ flache zungenförmige Basis setzt sich nach oben fort, inform einer kanellierten Säule, die in einem stabilen Stift endet. Darauf verzapft ist die Liegefläche, die parallel zu Basis flach halbmondförmig verläuft. Einzelne der Stützen weisen Zapfen auf, die Perforationen haben, in die Stifte eingesteckt werden können, um die Höhe verstellbar zu machen. Insgesamt verfolgen die ägyptischen Kopfstützen also einer Grundform, die leicht wiedererkennbar ist. Eine auffällige Eigenart dieser Kopfstützen ist deren Zweiteiligkeit. Die banalste Erklärung wäre die, dass man sparsam mit dem Material Holz umgehen musste, da es importiert wurde. Es muss aber noch einen weiteren Grund geben, denn auch die gläserne und die Alabasterstütze sind mittig geteilt, wozu es keinen Sparsamkeitsgrund gibt. Ich nehme an, dass sich hier die Neigung der Ägypter zum "dualen" Denken wiederspiegelt. So wird in der Geschichte Ägypten immer zweigeteilt gesehen: in Ober- und Unterägypten. Weiterhin nimmt der Ägypter die Zeit der Dürre und der Überschwemmung wahr und natürlich auch die Dualität von Mann und Frau oder Tag und Nacht.

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